Kasarova’s Alcina interview

Yay, her interview from the Wiener Staatsoper booklet, translated by the charming Smorgy.  I’m told Anja Harteros and Minkowski’s translated interviews are coming up next!
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Wiener Staatsoper Prolog November 2010.

Zwischen Intimität und Emotion: Kammersängerin Vesselina Kasarova singt den Ruggiero in Alcina.
Im Gespräch mit Oliver Lang plaudert KS Vesselina Kasarova, eine der beliebstesten Sängerinnen der heutigen Zeit, über Alcina, Barockoper und das Faszinosum des Händelschen Musiktheaters.

Between intimacy and emotion: the opera singer Vesselina Kasarova sings Ruggiero in Alcina.
In an interview, Oliver Lang talks to KS Vesselina Kasarova, one of today’s most beloved singers, about Alcina, Baroque opera and the fascination of Handel’s musical theater.

OL: Frau Kammersänger, Sie geben in Wien erstmals den Ruggiero in Alcina, eine Rolle, die Sie bereits mehrfach gesungen haben.

VK: Ja, in Barcelona, Paris, München, jeweils in längeren Serien. Man kann also sagen, die Rolle sitzt inzwischen ganz gut…

OL: Frau Kammersänger, you sing now for the first time in Vienna, Ruggiero in Alcina, a role which you have sung many times before. 

VK: Yes, in Barcelona, Paris and Munich – all in longer runs. One can say that the role is now pretty well settled for me…

OL: Wie sieht eine neuerliche Annäherung an diese Partie aus? Wieweit bauen Sie auf Bekanntes auf?

VK: Ich bin grundsätzlich jemand, der es nicht besonders mag, immer wieder dasselbe zu machen. Also versuche ich vor einer Neuinszenierung stets, die bereits absolvierten Produktionen desselben Stückes zu vergessen. Und schließlich sind auch die Umstände regelmäßig ganz andere: Ein neuer Dirigent, neue Kollegen, eine neue Regie. Damit verbunden auch: eine neue körperliche Sprache. Ich kann auf diese Weise die Opern immer wieder neu entdecken.

OL: What new approach do you take to this role now? How much of your characterization is based on what is already well established? 

VK: I am basically the type of person who doesn’t particularly like to always do things the same way every time. So I always try to forget my past performance conceptions of the role when I enter a new production. It helps that the environment and situation vary from one production to another. A new conductor, new colleagues, a new director, and so on – adding up to a new set of body language. This helps me re-discover this opera over and over again.

OL: Sie arbeiten diesmal mit dem Regisseur Adrian Noble zusammen. Wie gestalten sich die Proben?

VK: Es herrscht eine sehr gute und produktive Atmosphäre, was extrem wichtig für eine solche Produktion ist. Das gesamte Team arbeitet sehr gut zusammen. Ich genieße diese Zeit!

OL: This time you’re working with the director Adrian Noble. How is the rehearsal coming along? 

VK: It is a very good and productive atmosphere, which is extremely important for such production. The whole team works very well together. I’m having a ball!

OL: Wie sieht für Sie persönlich der Verlauf einer solchen Probenphase aus? Gibt es einen Punkt, an dem Sie sich denken: Jetzt wird es ernst…

VK: Der ist erreicht, wenn die Proben mit dem Orchester beginnen. Da braucht man einen sehr klaren Kopf, da muss einem bewusst sein, wie man die Partie entwickeln will, wie die oben genannte körperliche Sprache aussehen soll, wie man seine Kräfte einteilen muss. Auch der Umstieg von der Probebühne auf die eigentliche Staatsopernbühne ist ein wichtiger Schritt, weil natürlich die Stimmung, die Größe eine ganz andere ist. Ab diesem Punkt kommt die Spannung, und ab diesem Punkt muss man wissen, wie es werden soll.

OL: What is your personal take on the course of such a rehearsal period? Is there a point where you think: now we get serious … 

VK: That happens when we start rehearsing with the orchestra. One needs a very clear head, because one must be aware of how one wants the character to develop, what the above-mentioned body language should be, and one must divide attention. Also the change from the rehearsal stage to the actual State Opera stage is an important step, because it has, naturally, quite a different size and atmosphere. From this point on there is excitement, and from this point on one has to know how things should be.

OL: Es ist also eine Spannung da, obwohl Sie die Rolle schon kennen?

VK: Ja, natürlich. Die Spannung vor einer Premiere gehört einfach dazu, schließlich gibt es Erwartungen, die man erfüllen will, man will den Leuten, mit denen man arbeitet – und natürlich dem Publikum – Respekt erweisen.

OL: There is excitement even though you already know the role very well? 

VK: Yes, naturally. The excitement before a premiere is just a part of the experience, as there is expectations that one wants to meet for those one works with – and, naturally, for the audience, to show one’s respect.

OL: Sie haben vielfach Barockopern in großen Opernhäusern gesungen. Wie waren Ihre Erfahrungen damit?

VK: Natürlich braucht es für ein große Haus entsprechende Stimmen, das ist ganz klar. Gleichzeitig ist es auch wichtig, eine gewisse Intimität einzubringen, die Händel benötigt. Mit dem richtigen Orchester ist das aber gegeben. So ist Barockoper auch in großen Opernhäusern absolut üblich und eine Bereicherung!

OL: You have sung many Baroque operas in major opera houses. How has your experience with that been? 

VK: Naturally, for a large house, there is a need for suitable voices. That is quite clear. It’s also important to introduce a degree of intimacy that Handel needs. With the right orchestra. So Baroque opera in big opera houses is also very common and an enrichment!

OL: Gerade die Opern Georg Friedrich Händels erfreuen sich seit Jahren einer enormen Beliebtheit. Was ist das Besondere, das sie auszeichnet?

VK: Die Gefühle! Neben der angesprochenen Intimität gibt es einen unwahrscheinlichen Ausdruck in seiner Musik. Wenn die Sänger in der Lage sind, das auf einer Bühne zu zeigen, dann können echte Sternstunden entstehen. Gleichzeitig hat Händel eine ungemeine musikalische Vielfalt zwischen Bravour und lyrischem Ausdruck. Musikliebhaber, die etwas davon verstehen, lieben das! Und wir Sänger haben die Möglichkeit, viele Farben, viele Emotionen zu zeigen, verschiedenste Schattierungen zu entwickeln. Garade das macht Händel so spannend. Und: Händel benötigt echte Darstellerinnen und Darsteller. Nur schön-singen ist für seine Opern zu wenig, es braucht wirkliche Persönlichkeiten, wirkliche Menschen aus Fleisch und Blut, die wirkliche Gefühle zeigen. Ganz abgesehen davon hat er ganz wunderbare Arien für seine Opern geschaffen, „Scherza infida„ in Ariodante, „Ombra mai fu„ in Xerxes, und eben „Verdi prati„ in Alcina.

OL: The operas of George Frideric Handel, especially, have enjoyed years of enormous popularity. What is so special that sets them apart? 

VK: The emotions! Aside from that there is an incredible expression of intimacy in his music. If the singers are able to demonstrate this on the stage, then can we achieve genuine moments of glory. At the same time Handel has a tremendous musical diversity between bravura and lyrical expressions. Music lovers who know something about that love it! And we singers have the opportunity to show a lot of emotion in developing many variety of shades and vocal colors. It makes Handel downright exciting! And, Handel requires real actresses and actors. Just singing beautifully is not nearly enough for his operas. He needs real personalities, real flesh and blood people, real feelings. Quite apart from this he has created quite wonderful arias for his operas, “Scherza infida” in Ariodante, “Ombra mai fu” in Xerxes, and even “Verdi prati”in Alcina.

OL: Sie singen den von Alcina verzauberten Ruggiero. Wie echt ist seine Liebe zu Alcina? Alles nur Magie?

VK: Er liebt! Denn bei jeder Verzauberung gibt es auch einen wahren Kern, seine Gefühle müssen also ernst genommen werden. Er ist eine Persönlichkeit, die plötzlich abstürzt und erst zuletzt wieder erwacht. Musikalisch ist Ruggiero eine der vielen typischen Hosenrollen, die es für Mezzosoprane gibt. Man braucht dafür aber einen echten Mezzo, also mit richtiger Höhe und richtiger tiefe. Das ist stimmlich sicherlich eine Herausforderung, aber ich schätze genau solche! Man kann dabei viele Stimmungen erschaffen, viele Farben finden…

OL: You sing the Ruggiero who is enchanted by Alcina. How real is his love for Alcina? Is it all just her magic? 

VK: He loves! For each spell that is cast, there has to also be an element of true feelings. His feelings must then be taken seriously. He is a personality who all of the sudden fell from grace and is only recently re-awakened. Musically, Ruggiero is one of many typical trouser roles that exist for mezzo-sopranos. However it takes a true mezzo to play him, with the right vocal height along with the right vocal depth. This is certainly vocally – a challenge. But I guessed just that! One can create so many moods, so many colors are available …

OL: Sie sind eine Sängerin, die auch Barockmusik singt, aber ebenso das restliche große Repertoire Ihres Faches. Wie groß sind die technischen Unterschiede zwischen diesen Sparten, wie lange braucht es für Umstellung?

VK: Natürlich benötigt man bei Händel eine andere Technik als zum Beispiel bei einer Carmen. Das muss man gut trennen: Wenn ich zum Beispiel hier nun Alcina probiere, dann singe ich dazwischen keine großen dramatischen Partien. Aber grundsätzlich ist ein Umsteigen zwischen diesen Rollen kein Problem. Ich war stets vorsichtig und habe meiner Stimme ausreichend Zeit gegeben, sich zu entwickeln, habe zum Beispiel sehr lange viel Mozart gesungen. Wenn man das tut, dann wird eine gesunde Stimme im Laufe der Jahre immer größer; nur schlecht entwickelte Stimmen verlieren mit der Zeit an Kraft. Jetzt kann ich es mir leisten, ohne Gefahr dramatischere Partien zu gestalten und schade mir nicht damit.

OL: You are a singer who not only sings Baroque music, but also the rest of your rather large repertoire. What are the technical differences between these categories, how long does it take to transition between them? 

VK: Of course you need a different technique in Handel than, for example, in singing Carmen. One must separate them well: for example while I’m rehearsing Alcina here, I don’t sing any great dramatic role. But fundamentally transferring between these roles is not a problem. I have always been cautious and have given my voice sufficient time to develop, and have spent a long time singing Mozart. When one does that, then one keeps a healthy voice as it gets bigger over the years. Only poorly developed voices lose power over time. Now I can afford, without risk, to take more dramatic roles, and not hurt myself.

OL: Mozarts Opern wird nachgesagt, dass sie ungemein heilsam für Sängerstimmen sind. Wie sieht es diesbezüglich mit Händel aus?

VK: Genauso. Händel ist wunderbar für Sänger, daher soll man versuchen, seine Opern möglichst lange zu singen. Beweglichkeit, Pianokultur, Geschmeidigkeit: das alles wird dabei dank Händel gepflegt!

OL: Mozart’s operas is said to be extremely beneficial for the singing voice. How does this compare with Handel’s?

VK: Exactly. Handel is great for singers, so one should try to sing his operas for as long as possible. Mobility, soft piano singing, suppleness: all this is maintained thanks to Handel!

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About thả diều
writing-challenged opera-addict

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